Nach gut einem Jahr Triathlon-Training und ersten Wettkämpfen auf der Sprint- und der Vierteldistanz, sollte es nun die Premiere auf der Mitteldistanz werden. Ausgesucht habe ich mir hierfür den Moret-Triathlon in Münster-Altheim, südlich von Frankfurt am nördlichen Rand des Odenwaldes. Mit 400 Startplätzen handelt es sich dabei um eine der kleineren Veranstaltungen, was mir für den ersten großen Wettkampf sehr gelegen kam.

Vorbereitung

Die Vorbereitung lief ganz gut an, regelmäßiges Schwimm-, Lauf- und Radtraining im Verein, ein Halb-Marathon im März als Test der Laufform um eine mögliche Lauf-Pace abschätzen zu können und zwei Wochen „Urlaub“ im „Home of Triathletes“ Las Playitas auf Fuerteventura mit 5km Schwimmen, 450km Radfahren und 40km Laufen.

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Aber wie das so ist mit den Planungen, sehr schnell kommt etwas dazwischen und wirft alles über den Haufen. Zuerst ein verklemmtes Iliosakralgelenk im März mit massiven Rückenschmerzen und guten zwei Wochen Trainingspause. Dann Anzeichen eines Medialen Schienbeinkantensyndroms, einem bekannten Problem in Läuferkreisen, das nur durch Schonung und Reduzierung der Trainingsumfänge und Intensitäten therapiert werden kann. Also, Laufpause ist angesagt, aber zum Glück hat der Triathlet ja noch Schwimmen Radfahren und Athletiktraining zur Kräftigung des Körperrumpfes. Und dann, 10 Tage vor dem Wettkampf ein Sturz mit dem Trekking-Rad auf dem Heimweg von der Arbeit 🙁 Schürfwunden an Hüfte, Handballen und Ellebogen, Zerrung im linken Oberschenkel und ein geprellter rechter Daumen. Keine letzten Trainingseinheiten mehr (Freiwasserschwimmen im Langener Waldsee, Langer Lauf, Ausgedehntes Koppeltraining, …) stattdessen nur noch ein kurzer Lauftest ob der Oberschenkel überhaupt hält und ein Radcheck ob der Unterarm überhaupt auf den Aerolenker aufgelegt werden kann. Ergebnis nicht optimal, der Unterarm muss etwas nach hinten, dann wird es schon funktionieren.

Ziele

Was setzt man sich als Ziel für eine erste Mitteldistanz (1,9km Schwimmen, 90km Radfahren, 21,1km Laufen)? Überleben, Durchkommen, nicht abbrechen, … die wichtigsten Ziele. Im Hinterkopf aber auch die Frage, was für eine Zeit ist möglich? Unter 6:00h müsste möglich sein, bei 80 statt 90km Radstrecke müssten auch unter 5:40h erreichbar sein.

Los geht’s

Genug der Vorrede, der Tag der Wahrheit steht an. Zusammen mit Thomas D.-M. fuhr ich nach Münster-Altheim. Startunterlagen holen, Startnummern anbringen, Ausrüstung sortieren, was braucht man zum Schwimmen, was später beim Laufen, Einrichten der Wechselzone 2, Schwimmbeutel für Wechselzone 1 – diese liegt örtlich getrennt am ca. 2km entfernten Hardtsee – Wettkampfbesprechung und gemeinsame Fahrt mit dem Rad zur Schwimmstrecke. Beim Aufstieg aufs Rad musste ich natürlich noch vom Pedal abrutschen und mir eine blutende Wunde am Schienbein holen … fängt ja gut an. Wechselzone einrichten – wo kommen die Schwimmbeutel hin, die nach dem Schwimmen wieder zum Ziel transportiert werden?, Neoprenanzug anziehen – bei 20,1° Wassertemperatur zu empfehlen – und ab ins Wasser zum Einschwimmen.

Schwimmsplit

Der Start verlief bei zwei Startgruppen recht entspannt ohne Getümmel, Gehaue und Gesteche. Nun nur nicht zu schnell angehen und einen ruhigen Rhythmus finden. Freiwasserschwimmen ist doch etwas anderes als im Schwimmbad Bahnen ziehen, sehr häufig musste ich mich orientieren und die Richtung korrigieren. Nach akzeptablen 35:03 kam ich aus dem Wasser und mit 1935m hatte ich doch nicht so viel Umweg geschwommen wie befürchtet.

Wechsel auf’s Rad

Das Ausziehen des Neoprenanzugs gestaltete sich etwas schwierig, durch die vorherige Anstrengung wurde mir etwas schwindelig und es war gar nicht so einfach, einbeinig den Anzug abzustreifen. Füße grob abtrocknen, Socken und Radschuhe an. Durch den vielen Regen der vergangenen Tage war die Wechselzone ziemlich aufgeweicht, so dass die Wechselzone und der Weg zur Radstrecke recht matschig war.

Radsplit

Die Radstrecke waren wir vier Wochen zuvor bereits abgefahren, so dass hier keine großen Überraschungen warteten. Kurze, flache Anfahrt zu zwei Runden mit jeweils zwei längeren Steigungen und anschließenden Abfahrten, anschließend eine flache Strecke zur Wechselzone 2. Auf den beiden Runden je zwei Stop&Go Stellen an denen jeweils ausgeklickt und angehalten werden musste und eine Kontroll- und Verpflegungsstelle.
Zu Beginn der Radstrecke war ich auf etwa 10km mit mehreren Fahrern unterwegs und es wurde häufig gegenseitig überholt. Ab km 14 konnte ich an der Steigung einige Fahrer überholen und mich auf der folgenden Abfahrt dann etwas absetzen. Anschließend ging es für mich dann darum, die Belastung möglichst gleichmäßig zu halten und einen guten Rhythmus zu finden. Regelmäßig Iso-Getränk aus der Flasche zu mir nehmen, alle 30km ein Gel, dann etwas Wasser. Bei km 26 fing es dann heftig an zu regnen und es wurde recht frisch, zum Glück jedoch auf einem ansteigenden Streckenabschnitt, die folgende Abfahrt war komplett trocken und konnte mit voller Geschwindigkeit gefahren werden. Sukkzessive konnte ich nun andere Fahrer überholen – was sehr motivierend wirkte – teilweise sogar welche aus Startgruppe 1, die bereits 20min vor Gruppe 2 gestartet waren. Mit einer Radzeit von 2:42:37 – auf eine Strecke von 80,5km ergibt das einen Schnitt von 29,8 km/h – bin ich bei der doch recht hügeligen Strecke mit fast 950hm sehr zufrieden. Kurz vor der Wechselzone sah ich meine Frau an der Strecke, yeah mein Fan ist vor Ort gekommen, ein riesen Dankeschön dafür!

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Wechsel zum Laufen

In einem Wort: Unproblematisch. Seit ich ein paar Koppelläufe trainiert habe, hat sich der Wechsel von „Oh Gott, das geht ja gar nicht“ zu „kein Problem, jetzt wird gelaufen“ gewandelt.

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Laufsplit

Zu absolvieren waren 4 Runden auf einem flachen Kurs erst über freies Feld, dann durch den Wald zur Kontroll- und Verpflegungsstelle. Vorgenommen hatte ich mir, mit 5:15 min/km und max. 140bpm zu beginnen. Es lief sehr gut und locker, der Puls blieb bei den geplanten 140 bpm, die Pace lag bei ca. 5:07 min/km. Gegen Ende der ersten Runde kam mir Thomas D.-M. entgegen, er hatte ca. 1km Vorsprung, meine Frau war im Wende- und Zielbereich und sprach mir Zuversicht zu. Im Verpflegungsbereich ein Becher Iso-Drink, ein paar Meter gehen zum Trinken – im Laufen funktioniert das bei mir noch nicht – weiterlaufen. Alles im grünen Bereich, topp.

2016-06-18_15-36-19Und dann kam gegen Ende der Runde 2 der km 9. Ich spürte, dass ich mir am rechten Fuß eine Blase laufe und die Hüfte begann auf beiden Seiten zu schmerzen. Die bisherige Pace war nicht mehr zu halten, der Laufstil wurde auf Schonhaltung umgestellt und das Leiden begann. Noch 13km mit Schmerzen? Wie soll das funktionieren? DNF kann keine Option sein, nicht schon bei der Premiere.

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Noch 12km, 11km, noch zwei Runden, keine Schwäche zeigen, 10km, die ersten Läufer fingen an zu gehen, nein das wollte ich unbedingt vermeiden. Ich hangelte mich von km zu km, zur Kontrollstelle, zur Verpflegungsstelle, zum nächsten km, zur nächsten Verpflegungsstelle, … noch ca. ein km, jetzt nochmal alles geben und durch.

GESCHAFFT!

Thomas und meine Frau erwarten mich im Zielbereich, 5:16:49, ich bin platt aber happy!

2016-06-18_16-57-282016-06-18_17-02-082016-06-18_17-11-39Ergebnis

Zeit, gesamt Schwimmen T1 Rad T2 Lauf
Thomas D.-M. 05:05:44 00:32:55 03:23 02:42:29 01:25 01:45:30
Jürgen B. 05:16:49 00:35:12 04:06 02:42:37 01:36 01:53:16